Steigende Covid-19 Zahlen in Polen

Symbolbild Coronavirus. Image by Gerd Altmann from Pixabay

Warszawa. (ASC) Die Corona-Pandemie nimmt Anlauf auf eine zweite Welle. Oder ist schon mittendrin. Wir hatten gehofft, den eine Zeitlang leider sehr populären Artikel zum Reisen nach Polen in Zeiten von Corona nicht mehr aktualisieren zu müssen. Nun müssen wir es hiermit doch tun.

 

Risikogebiete?

Risikogebiete gibt es in Deutschland bereits einige. Entsprechende Eindämmungsmaßnahmen werden diskutiert: Generelle Maskenpflicht im Freien, inländische Reisebeschränkungen, Versammlungsbegrenzungen.

In Polen sind die Infektions-Zahlen noch dramatischer. Nicht immer absolut. Aber wenn man die Menge der infizierten Menschen betrachtet, deren Verteilung und die Menge der Tests. Vor einigen Monaten schrieben wir, warum Polens Gesundheitssystem weniger robust ist und daher die Angst vor dem Virus größer.

Blickt man auf die Zahlen, ist eines fraglich: Warum werden Reisebeschränkungen innerhalb Deutschlands bei oft geringeren Fallzahlen eher verhängt als solche nach oder aus Polen? Mehr als 100.000 Infektionen und mindestens 2.630 Todesfälle sind in Polen bestätigt. Das teilte das polnische Gesundheitsministerium per Twitter in der ersten Oktoberwoche mit.

 

Aktuelle Maßnahmen

Corona-Schild im ÖPNV in Polen

Covid-19: Im ÖPNV ist jeder 2. Sitzplatz gesperrt, im Durchschnitt nur 50 Prozent der Kapazität in Bussen und Bahnen dürfen genutzt werden. Foto: asc

Im Nachbarland Polen ist das beliebte Ostseebad Sopot (Zoppot) neben der gesamten Region rund um Gdansk (Danzig) und der Hauptstadt Warszawa (Warschau) als Hochrisikogebiet eingestuft. Ganz Polen gilt mit sofortiger Wirkung als “Gelbe Zone”.

Nun muss auch in der Öffentlichkeit in Polen verpflichtend eine Mund- und Nasenbedeckung getragen werden. Das gilt seit 10. Oktober 2020. Polens noch im Frühjahr hochgelobter Gesundheitsminister Szumowski war zwischenzeitlich zurückgetreten. Sein Nachfolger Adam Niedzielski agiert weniger öffentlichkeitswirksam. Er gilt aber auch als effizient.

 

Polen: Reisen oder nicht reisen?

Die polnische Regierung wird ab Samstag, den 24. Oktober 2020, das gesamte Land in die Zone – rot – einstufen.

Dieses führt zu erweiterten Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie.

Alle Personen, die aus Polen in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, sie sind grundsätzlich verpflichtet, sich unverzüglich nach ihrer Einreise für 14 Tage in die häusliche Quarantäne zu begeben! Eventuelle Ausnahmen für Berufspendler, Journalisten usw. sollten beispielsweise über die bundesweit einheitliche Behördentufnummer “D115” (aus allen Netzen über +49 115 erreichbar) erfragt werden.

 

Weiterhin gelten die Regelungen für die – gelbe – Zone:

  • Bereits ab dem 10. Oktober 2020 ist ein Mund-Nasen-Schutz an allen öffentlichen Orten zutragen – in den Geschäften, auf den Straßen, auch im ÖPNV.
  • Restaurants und Gastronomiebetriebe dürfen nur zwischen 6 und 21 Uhr geöffnet. Jeder zweite Platz muss im Lokal frei bleiben. Nach 21 Uhr haben die Kunden nur die Möglichkeit Take-Away-Essen zu bestellen.
  • Die Zahl der Passagiere im ÖPNV wird begrenzt. Die Sitzplätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln können bis zu 50% besetzt sein. Die Zahl der Stehplätze wird auf 30% reduziert.
  • Sportevents, darunter auch Fußballspiele, werden ohne Zuschauer ausgetragen.
  • An Kulturveranstaltungen kann nur 25% des Publikums teilnehmen.
  • Aquaparks, Schwimmbäder und Fitnessstudios bleiben bis auf weiteres geschlossen

Es treten die Regelungen für die Zone – rot – hinzu:

Die Zahl der Kunden in den Geschäften wird begrenzt und anhand der Kassenzahl bzw. der Fläche berechnet – fünf Kunden je Kasse.

  • Ab dem 19. Oktober 2020 sind Hochzeiten und Familienfeste untersagt.
  • Auch beim Gottesdienst wird eine Obergrenze für die Teilnehmer aufgestellt. Seit dem 17. Oktober wird die maximale Teilnehmerzahl anhand der Gotteshausfläche berechnet. Pro 1 Gläubigen sollen mindestens 7 Quadratmeter zur Verfügung stehen.
  • An Demonstrationen und Versammlungen dürfen sich bis zu 10 Personen beteiligen.
  • Hochschulen und Oberschulen müssen komplett auf den Onlineunterricht umstellen.
  • (Die Maskenpflicht gilt nicht in Wäldern, Parks, Grünflächen, botanischen Gärten, Schrebergärten und an Stränden.)
  • Ausgenommen von der Maskenpflicht sind nur Personen, die eine entsprechende ärztliche Bescheinigung vorlegen können.
  • Senioren haben Vorrang; Seit dem 15. Oktober 2020 sind Geschäfte, Apotheken und Drogerien in Polen von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr nur für Senioren offen. Zu dieser Uhrzeit dürfen nur Personen einkaufen, die über 60 Jahre alt sind. Die Seniorenstunden gelten für Geschäfte, Apotheken und Drogerien in ganz Polen.

Quelle:

https://www.gov.pl/web/koronawirus/nowe-zasady-profilaktyki-przeciw-covid-19

 

 

Ein Beispiel

Dass sich das Virus nicht so sehr um Grenzen schert,  ist vielleicht eine Binsenweisheit. Maßgeblich scheint eher das Verhalten und die Zusammenkünfte der Menschen. So traf es etwa eine der deutsch-polnischen Eliteschulen, das “Deutsch-Polnische Europagymnasium Löcknitz” im Landkreis Greifswald-Vorpommern. Hier lernen zur Hälfte deutsche und polnische Schüler*innen gemeinsam und können das sogenannte doppelte Abitur ablegen.  In der Schule haben sich mindestens zwölf Jugendliche und drei Lehrer infiziert. Ergebnis: Der Schulbetrieb ruht im Oktober. Ein Grund für diese drastische Maßnahme soll auch sein, dass komplexe Kontaktverfolgungen notwendig sind, mit Sprachbarriere.

 

Offizielle Corona-Informationen zu Polen

Die Regelungen können sich in Abhängigkeit von der Lage auch ändern. Ganz aktuelle Informationen gibt es bei der Europäischen Union zur Situation unter https://reopen.europa.eu/de/map/POL.

Die polnische Regierung informiert auch in deutscher Sprache über die Maßnahmen. Die aktuellen offiziellen Informationen finden sich unter dieser Adresse: https://www.gov.pl/web/deutschland/eindmmungsmanahmen-gegen-die-verbreitung-des-coronavirus. Auch eine englisch- und (natürlich) polnischprachige Hotline gibt es: 800 190 590.

Unter https://www.gov.pl/web/coronavirus gibt es Detailinformationen.

 

Artikel wurde zuletzt am 23.10.2020 aktualisiert. Angaben ohne Gewähr!

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Andreas Schwarze

Andreas stammt gebürtig aus Berlin-Pankow. Er lebt seit seiner Kindheit im Amtsbereich Gartz (Oder) - unmittelbar an der deutsch-polnischen Staatsgrenze. Er ist lange Zeit verantwortlicher Redakteur der Lokalausgabe Uckermark einer Wochenzeitung gewesen. Betreibt einen regionalen News-Blog, ist Fotoartist und kennt Szczecin und das polnische Umland wie seine Hosentasche. Seine Tochter Patrycja wächst zweisprachig auf. (E-Mail: andreas@polen.pl)

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