goEast Filmfestival online

Wie viele andere Filmfestivals und Kulturveranstaltungen musste auch das goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films sich in diesem Jahr die Frage stellen: Absagen, verschieben oder online? Die Entscheidung ist auf eine Mischform gefallen, die trotz aller krisenbedingten Abstriche einen entscheidenden Vorteil bringt.

Festivalfilme im Kino

Eigentlich sollte mit einem umfangreichen Programm in diesem Jahr das 20. Jubiläum des Festivals gefeiert werden. Doch nun haben die Kinos geschlossen. Schwierige Zeiten für ein Filmfestival, bei dem Kinoerleben, Austausch und internationale Gäste großgeschrieben werden. Kurzfristig musste umgeplant werden. Dabei entstanden sogar neue Kooperationen: Die diesjährigen Wettbewerbsfilme laufen nicht online, sondern werden beim exground filmfest im November gezeigt.

Festivalfilme on Demand

Aber auch jetzt gibt es schon die Möglichkeit, Festivalfilme zu sehen – von Zuhause aus. Die Beiträge der Jubiläumssektion EUROPA, EUROPA sind während des Festivalzeitraums vom 5. – 11. Mai im Video-on-Demand abrufbar. Pro Langfilm kostet das Ausleihen 6,50 Euro. Die ausgeliehenen Filme sind dann jeweils für 24 Stunden verfügbar. Außerdem umfasst das Onlineangebot auch kostenfreie Programmpunkte wie Diskussionspanels mit internationalen Filmschaffenden und die virtuelle Ausstellung MEMES AUS SLAWISTAN.

Das Gute am Online-Filmprogramm? Nun können erstmals auch Interessierte außerhalb der Rhein-Main-Region Filme beim goEast-Festival sehen. Und wie jedes Jahr gibt es auch wieder interessante Beiträge aus Polen zu entdecken.

Polnische Filme im Programm

Der Film DESZCZ (REGEN, 2019) von Piotr Milczarek aus dem Kurzfilmprogramm der Sektion EUROPA, EUROPA ist einer davon.

DESZCZ (R: Piotr Milczarek) ©goEast

Der Animationsfilm über einen Superhelden im Großraumbüro kommt zunächst recht leichtfüßig daher. Ganz hell in Weiß und Türkis gehalten wirken die Bilder zwar etwas steril, aber nicht unterkühlt. Doch auch das verspielte, quirlige Sounddesign kann über den absurden Kontrast von Inhalt und Darstellungsweise des Gesehenen nicht hinwegtäuschen. Wer ist die Person, die vom Hochhaus fällt? Wo, wann, warum? Diese Fragen werden nicht beantwortet. Der reduzierte, grafische Stil spart die Details des Geschehens aus. Dadurch bekommt die tragische Geschichte allgemeine Gültigkeit. Und lässt einen nach den fünf Minuten des Films genauso irritiert wie nachdenklich zurück.

DESZCZ kann entweder als Teil des Kurzfilmprogramms ab 5. Mai bei goEast on Demand für 3 Euro geliehen oder kostenlos in der arte Mediathek abgerufen werden.

 

MAREK EDELMAN (R: Jolanta Dylewska, Andrzej Wajda) ©goEast

Ein weiteres Highlight aus der Jubiläumssektion ist MAREK EDELMAN…I BYŁA MIŁOŚĆ W GETCIE (MAREK EDELMAN… UND ES GAB LIEBE IM GHETTO, 2019) von Jolanta Dylewska und Andrzej Wajda. Dieser starb vor Abschluss der Dreharbeiten, doch Dylewska brachte sie allein zu Ende. Der Film begibt sich auf die Suche nach Liebesgeschichten aus dem Warschauer Ghetto und mischt dabei verschiedene filmische Formen miteinander. Grundlage des Dokumentarfilms ist ein Interview mit Marek Edelman kurz vor seinem Tod. Er war einer der letzten Überlebenden des Aufstands im Warschauer Ghetto. Zu seinen Erzählungen werden Archivbilder sowie Elemente eines Spielfilms kombiniert.

MAREK EDELMAN…I BYŁA MIŁOŚĆ W GETCIE ist ab 8. Mai für 6,50 Euro bei goEast on Demand verfügbar.

 

Titelbild ©goEast

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Lara Verschragen

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