Was Ihnen entgeht: Über die polnischen Superlative

Jesus-Statue in Polen. Foto: Bogumil Palka
Jesus-Statue in Polen. Foto: Bogumil Palka

Wissen Sie wo das höchste Gebäude der Europäischen Union steht? Und die größte Holzachterbahn der Welt? Aber der größte überdachte Wasserpark Europas ist Ihnen sicherlich ein Begriff. Doch nicht? Dann lassen Sie uns über Polen reden.

Nachdem ich im vorigen Artikel über beunruhigende Entwicklungen in unserem Nachbarland berichtet habe, möchte ich mich im zweiten Teil der Reihe „Was Ihnen entgeht“ den angenehmeren und unbeschwerten Dingen widmen, die Polen zu bieten hat. Und zu bieten hat das Land diesbezüglich Einiges.

Varso Tower

Lange Zeit war der aus der kommunistischen Zeit stammende Palast der Kultur und Wissenschaft (pol. Pałac Kultury i Nauki) das höchste Gebäude Polens. Und auch wenn er in den letzten 30 Jahren zusehends von diversen Wolkenkratzern umringt wurde, überragte seine Spitze die gesamte Warschauer City und warf, auch symbolisch, einen langen Schatten. Nun wurde er entthront. Und zwar vom Varso Tower, dem höchsten von insgesamt drei Skyscrapern, die im sog. Varso Place-Komplex gegenüber des Warschauer Zentralbahnhofs entstehen. Mit seinen 310 Metern ist der Tower allerdings nicht nur den Kulturpalast überragend, sondern auch jedem anderen Gebäude in der Europäischen Union. Großbritannien mit eingerechnet. Man darf auf den Panoramablick von der Aussichtsplattform gespannt sein. (Mehr dazu: Notes of Poland)

 

Deepspot

Schnorcheln und Tauchen gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Allerdings hört meine Wohlfühlzone bei ca. 6 Metern auf, also dort wo gerade noch genug Sonnenlicht vorhanden (ich spreche von der Ostsee) und der Wasserdruck einigermaßen erträglich ist. Der Deepspot im polnischen Mszczonów in der Nähe von Warschau, ein Tauchbecken mit 45 Metern Tiefe, wäre also nichts für mich. Für alle anderen steht das tiefste Becken der Welt ganzjährig zur Verfügung. Ein Hotel, ein Restaurant sowie Konferenzräume sind ebenfalls vorhanden. Natürlich an der Oberfläche. (Mehr dazu: National Geographic)

 

Zadra

Stellen Sie sich eine Konstruktion vor, welche 1316 Meter lang, bis zu 65 Meter hoch und 121 km/h schnell ist. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie fahren darauf! Wer es sich nicht vorstellen kann, der kann es direkt erleben. Eine Möglichkeit dazu bietet die neueste Achterbahn im polnischen Freizeitpark Energylandia im Kleinpolnischen Zator. Neben dem größten Holzrollercoster „Zadra“, sorgen der höchste und schnellste Mega Coster sowie der schnellste und größte Water Coster der Welt für abwechslungsreichen Achterbahnspaß. (Mehr dazu auf Polnisch: Dziecko w podrozy)

 

Jesus-Statue

Die polnische Provinz wartet bisweilen mit einigen kleinen und großen Überraschungen auf. Zu den allergrößten gehört sicherlich die gigantische Christus-König-Statue im westpolnischen Schwiebus, die um ganze sechs Meter die berühmte Christus – der Erlöser – Statue von Rio de Janeiro sowie alle anderen Christus-Abbildungen weltweit übertrifft. Der aus Spenden finanzierte Bau ist ein beliebtes Ziel diverser Pilger- und Touristenfahrten. Für einige ist er zudem ein Symbol des hohen Stellenwertes des katholischen Glaubens im Land. Für andere wiederum ein weiteres Zeichen des sakralen Kitsches in Polen . Sehenswert ist es allemal. (Mehr dazu auf Polnisch: na:temat)

 

Der Marktplatz von Krakau

Krakau gilt als die Kulturhauptstadt Polens. Und obendrein ist die Stadt recht ansehnlich. Untertrieben gesagt. Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten in und um Krakau fällt eine besonders ins Auge. Es ist der Krakauer Marktplatz mit seinen berühmten Tuchhallen, den wunderschönen und geschichtsträchtigen Bürgerhäusern sowie der Marienkirche, deren Größe und Schönheit sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Der Marktplatz von Krakau ist aber noch etwas. Nämlich der größte Marktplatz Europas. Zahllose Cafés, Restaurants, Museen, Denkmäler, Springbrunnen und stilvolle Pferdekutschen. Selten kommt all das an einem Ort zusammen. Am Krakauer Marktplatz ist das der Fall. (Mehr dazu: Globetrotter-Fotos)

 

Die Marienburg

Der einstige Hauptsitz des Deutschen Ritterordens, der auf Geheiß Konrad von Masowiens die benachbarten Pruzzen mit Schwert und Feuer christianisieren sollte, wirkt auf den ersten Blick monumental. Und der erste Eindruck täuscht nicht. Die am Mündungsarm gelegene Burg ist nämlich der größte Backsteinbau Europas und wurde schätzungsweise aus bis zu 50 Millionen Backsteinen errichtet. Die Anlage besticht allerdings nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch eine reiche und wechselvolle Geschichte. Darüber hinaus liefert sie die Antwort darauf, ob im Mittelalter Annehmlichkeiten, wie die Fußbodenheizung, bekannt waren. (Mehr dazu: GEO-Reisen)

 

Park of Poland

In Polen gibt es Palmen- Werbepostkarte Polen.plDie Fußbodenheizung ist eine gute Überleitung zum nächsten Highlight Polens, nämlich zu dem unlängst erbauten (und derzeit coronabedingt geschlossenen) Park of Poland. Genauer gesagt geht es um seinen ersten Teil, dem Suntago Water World. Wie der Name es bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen Wasserpark. Und zwar um dem größten überdachten Wasserpark Europas. Neben unzähligen Attraktionen, 700 echten Palmen, überdimensionalen Wasserrutschen uvm. bietet der Park selbstverständlich eins: Jede Menge heißes Thermalwasser. Ein überaus wohltuender Gedanke in diesem noch so kalten Winter. (Mehr dazu: Themepark-Central)

Übrigens sind Palmen gar nicht so selten in Polen, wenn man eine unserer älteren Werbepostkarten für Polen.pl betrachtet…

 

Białowieża

Doch Polen hat natürlich nicht nur Palmen zu bieten. Wer mal richtig Lust auf Abgeschiedenheit und Waldeinsamkeit verspürt, der ist in dem seit 1932 bestehenden Nationalpark Białowieża im Osten Polens genau richtig. Vorausgesetzt er hält sich an die ausgewiesenen Wanderwege und hat keine Berührungsängste mit dem größten freilebenden Tier Europas. Die Rede ist vom Wisent, dem europäischen Verwandten des nordamerikanischen Bisons, dessen Population, nachdem sie Anfang des 20. Jahrhunderts beinahe ausgerottet wurde, mittlerweile aufwendig wiederhergestellt worden ist. Białowieża ist mit seinen 10 000 Jahren nicht nur einer der ältesten Wälder Europas, sondern auch der letzte Flachlandurwald des Kontinents. Ein großes Stück europäischer Natur- und Kulturlandschaft. Im wörtlichen und übertragenen Sinne. (Mehr dazu: National Geographic)

 

 

Ich hoffe, ich habe Ihnen in diesem Beitrag ein Polen zeigen können, dass nicht nur durch politische oder weltanschauliche Querelen auffällt. Denn, wie die meisten Länder, hat auch Polen viele Gesichter. Gesichter, bei denen die Politik glücklicherweise keine Rolle spielt.

 

 

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Bogumil Palka

Bogumil ist in Polen geboren und seit seinem 14. Lebensjahr in Deutschland zu Hause. Er studierte Pädagogik in Bielefeld und Stockholm und "Polen und Deutsche in Europa" (kurz EuPoD) in Kiel und Posen. Bogumil absolvierte zahlreiche Praktika im deutsch-polnischen Kontext, darunter am Deutschen-Polen Institut in Darmstadt und dem Polnischen Generalkonsulat in Hamburg. Er war Teilnehmer und Veranstalter verschiedener Begegnungen, Projekte und Tagungen und ist freiberuflicher Sprachmittler und Teamer.

2 Gedanken zu „Was Ihnen entgeht: Über die polnischen Superlative“

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