Polnischer Osterkorb

Ostern in Polen von A bis Z

Für Katholiken ist Ostern das wichtigste Fest. Knapp 90 Prozent der Polen gehören der katholischen Konfession an. Somit ist es mehr als naheliegend, dass Ostern in Polen auch von allgemeiner kultureller Bedeutung ist. Im Artikel „Ostern in Polen von A bis Z“ möchten wir Schlüsselbegriffe der polnischen Osterzeit näherbringen. Es handelt sich also weniger um einen Fließtext als um ein Glossar über die Bräuche und Traditionen zu Ostern in Polen. Hier ist alles nachzulesen, was man zum Osterfest in Polen wissen muss.

A wie ażurki

Ażurki oder auch pisanki ażurowe werden aus Hühner-, Enten-, Gänse- und Straußeneierschalen gefertigt. Die Technik besteht darin, mit einem Mini-Bohrer, einem Mini-Schleifer und anderem Werkzeug Löcher in die Eierschale zu bohren. Das mit den Bohrmustern verzierte Ei wird meist mit Acrylfarbe bemalt.

Ażurki

Ażurki oder pisanki ażurkowe (Quelle: Bogkrzy/Wikipedia)

B wie babka

Babka ist die polnische Entsprechung für den Gugelhupf. Der traditionelle Oster-Gugelhupf (babka wielkanocna) schmeckt nach Vanille und Zitrone und wird meist mit Puderzucker bestreut oder Zuckerguss überzogen. Rezept für einen polnischen Osterkuchen (auf Deutsch)

Eine mit Puderzucker bestreute babka (Quelle: Bernadette/Pixabay)

B wie Buchsbaum

Der Buchsbaum ist vom Palmsonntag in Polen nicht wegzudenken; Er symbolisiert die Palmen, mit denen Jesus während seines Einzugs nach Jerusalem gedacht wurde. Für Palmsonntag werden die „Buchsbaum-Palmen“ aufwändig und farbenfroh geschmückt. Aber auch im am Karsamstag gesegneten Osterkorb findet der Buchsbaum seinen Platz. Mehr zum polnischen Osterkorb gibt es bei Grenzenlos. Übrigens: Die polnische Bezeichnung lautet bukszpan (ausgesprochen: Buk-schpan) und stammt vom deutschen Namen dieser Pflanze.

D wie drapanki

Drapanki werden durch das Zerkratzen der äußeren farbigen Eierschale mit einem scharfen Werkzeug erzeugt, eine Technik, die hauptsächlich in Polen und Österreich zu finden ist.

Drapanki

Drapanka (Quelle: Dixi/Wikipedia)

F wie Fastenzeit

Im katholischen Polen ist die Fastenzeit besonders wichtig. Sie beginnt am Aschermittwoch und geht bis Gründonnerstag. Sie dauert somit 40 Tage. Somit ist sie auf den ersten Blick nicht sonderlich von der Fastenzeit in Deutschland zu unterscheiden, abgesehen von der Tatsache, dass sie in Polen deutlich stärker vom katholischen Glauben geprägt ist. Der polnische Begriff für „Fastenzeit“ lautet post. Das wird zwar wie die (Deutsche) Post ausgesprochen, hat aber überhaupt nichts mit dem Brief- und Paketdienst zu tun.
Der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit ist der tłusty czwartek (fetter Donnerstag). An diesem Tag werden insbesondere zwei Süßspeisen tonnenweise (!) verzehrt: faworki und Berliner (oder: Krapfen, Pfannkuchen, Kreppel …). Bei faworki handelt es sich um ein Fettgebäck, das anschließend mit Puderzucker bestreut wird. In Deutschland ist es auch unter dem Begriff „Mutzen“, bzw. „Muzen,“ bekannt. Mehr zum tłusty czwartek unter dem Buchstaben T unseres Oster-ABC.

Faworki

Faworki (Quelle: Wikipedia)

F wie Frühjahrsputz

Früher wurde das Ende des Winters und der Anfang des Frühjahrs als eine perfekte Gelegenheit für eine Rundum-Erneuerung genutzt: Die Wohnungen wurden aufgeräumt, die Häuser gestrichen, Osterschmuck angefertigt und die Zimmer damit dekoriert. Es ist immer noch üblich, das Haus kurz vor Ostern zu reinigen. Und nach altem Brauch müssen alle Bewohner zur Sauberkeit beitragen.

K wie kraszanki

Kraszanki (auch als malowanki oder byczki bekannt) kennt man im deutschsprachigen Raum als Eierfärben. Hierfür werden die Eier in eine farbige Brühe gelegt. Insbesondere früher wurden die Farben ausschließlich aus natürlichen Zutaten gewonnen. Dieser Trend lebt heutzutage wieder auf, da keine künstlichen Färbemittel, sondern Pflanzen verwendet werden. Je nach Pflanze ergibt sich eine andere Farbe: Eierschalen färben das Ei rötlich braun, Eichenrinde, Erlenrinde oder Walnussschalen machen es schwärzlich, junge Apfelbaumrinde oder Ringelblumenblüten färben es gelb-gold, blau wird das Ei durch Kornblumenblüten, die Blütenblätter einer dunklen Malvenblüte wird des violett und rosa wird das Ei durch Rote-Bete-Saft.

Kraszanki

Kraszanki (Quelle: Adam (ThelmOSO) Jendruś/Wikipedia)

L wie lany poniedziałek

Dieser „gegossene Montag“ ist auch unter der Bezeichnung Śmigus-Dyngus bekannt. Es handelt sich um den Ostermontag. Es ist Brauch, dass Jungs und Männer alle Mädchen und Frauen, die ihnen begegnen, mit Wasser besprengen. Bei älteren Menschen wird statt Wasser auch Parfüm verwendet, mit welchem die Frauen besprüht werden – sozusagen als Light-Version. Bei den Jugendlichen geht es dafür umso nasser zur Sache. Hier gibt man sich mit ein paar Wassertropfen nicht zufrieden und greift zu Eimern, Wasserpistolen, Gießkannen, Gartenschläuchen oder anderen Werkzeugen, die dafür sorgen, dass das Mädchen oder die Frau pitschnass ist. Und manche trifft dieses nasse Schicksal mehrmals am Tag, was bedeutet, dass man sich auch zig Mal umziehen darf. Ich selbst habe aber auch schon erlebt, dass sich Mädchen und Frauen entweder am Ostermontag selbst oder am darauffolgenden Dienstag rächen dürfen.
Die Herkunft dieses Brauchtums soll auf das Jahr 966 zurückgehen. In diesem Jahr soll Mieszko I. getauft worden sein, was als Etablierung des Christentums (Christianisierung) in Polen gilt.

Lany poniedziałek (Śmigus-Dyngus)

Der lany poniedziałek (Śmigus-Dyngus) (Quelle: Silar/Wikipedia)

M wie makowiec

Ein Muss auf jedem festlich gedeckten Tisch in Polen ist der makowiec, ein Mohnkuchen entweder als Blechkuchen oder in Strudelform. Ob Weihnachten, ob Ostern: Es müsste schon einiges dazwischenkommen, damit der makowiec fehlt. Rezept für einen polnischen Mohnstrudel (auf Deutsch)

Makowiec

Makowiec (Quelle: Alice Wiegand/Wikipedia)

M wie mazurek

Der mazurek ist wie die babka ein typischer polnischer Osterkuchen. Es handelt sich um einen Blechkuchen aus Mürbeteig. Wie so häufig gibt es viele verschiedene Ausführungen. Entweder der Teig wird zunächst gebacken und anschließend mit Marmelade bestrichen oder noch vor dem Backen mit Marmelade bestrichen, mit einem Gitter aus Sandteig bedeckt. Er ähnelt dann einer Linzer Torte.

N wie nalepianki

Nalepianki sind vor allem in der Region um Krakau und Łowicz beliebt. Sie entsteht durch das Verzieren von Eierschalen mit verschiedenen bunten Papierschnipseln.

O wie oklejanki

Oklejanki (auch naklejanki) bezeichnet das Verzieren von Eiern mit Flieder und Fetzen von farbigem, glänzendem Papier sowie Stoff, einschließlich Wollfaden oder Garn.

O wie Osterkorb

Am Karsamstag werden in polnischen Gemeinden Osterkörbe (Osterkorb = koszyczek wielkanocny) gesegnet. Diese Tradition gehört für zahlreiche Christen zur Vorbereitung auf das bevorstehende Osterfest. Viele Familien versammeln sich dafür in der Küche und bereiten den Korb vor. Wenn der Osterkorb fertig ist, geht es in die Kirche. Die Speisen segnet der Pfarrer mit Weihwasser. Erst nach der Osterkorbsegnung (wielkanocne święcenie pokarmów) essen Familien die Speisen am Ostersonntag zum Frühstück. Der Osterkorb steht symbolisch für das Leben und die Früchte der Erde. Welche Speisen gehören in den polnischen Osterkorb?

Polnischer Osterkorb

Polnischer Osterkorb (Quelle: Emilia Baczynska/Pixabay)

P wie pisanki

Pisanki weisen unterschiedliche Farbmuster auf. Sie werden durch das Zeichnen mit heißem, geschmolzenem Wachs und anschließendem Eintauchen des Eis in Farbe erzeugt. Nadeln, Halme und Hölzer wurden als Zeichengeräte verwendet. Pisanki aus der Region um Białystok wurden entweder ohne Werkzeug, durch Bespritzen der Eier mit Wachs oder durch Aufbringen einfacher grafischer Elemente mit dem heißen Ende einer Kerze hergestellt.

S wie sernik

Sernik heißt Käsekuchen, nicht mehr und nicht weniger. Neben der babka und dem mazurek isst man an Ostern in Polen gerne auch ein Stück (oder auch zwei …) Stück Käsekuchen. Es handelt sich hierbei in der Regel um einen einfachen Käsekuchen ohne Boden und ohne Zusätze in Form von beispielsweise Rosinen oder Mandarinen. Jedoch werden natürlich von Familie zu Familie Abweichungen vorgenommen.

S wie Śmigus-Dyngus

Siehe „L wie lany poniedziałek

S wie świeconki

Die świeconki (Einzahl świeconka) sind die Speisen, die am Karsamstag kirchlich gesegnet werden. Die Speisen befinden sich einem kleinen Bastkörbchen, der in der Kirche mit Weihasser besprengt wird. Auf dem Ostersonntagsfrühstückstisch nimmt das gesegnete Körbchen dann die zentrale Rolle ein. Folgende Speisen werden in der Regel in das Körbchen gelegt: ein kleiner Brotlaib (oder einzelne Brotscheiben), Ostereier, ein Osterlamm aus Schokolade, Butter oder Kuchenteig, eine babka, Salz, Pfeffer, Wurst, Wasser und Meerrettich. Mehr zum polnischen Osterkorb und der Segnung gibt es bei Grenzenlos.

T wie tłusty czwartek

Tłusty czwartek heißt wörtlich übersetzt „fetter Donnerstag“. Für die Jecken und Narren läutet dieser Tag die letzte Karnevalswoche ein, während für die Gläubigen eher die christliche Tradition im Vordergrund steht. Dieser Tag markiert den letzten Donnerstag vor dem großen Fasten, das bis Ostern andauern soll. Mehr zum tłusty czwartek und die dazugehörigen pączki

Diverse Pfannkuchen auf Backblechen

Eine große Auswahl an pączki am tłusty czwartek (Quelle: Silar/Wikipedia)

W wie wielki tydzień und wielkanoc

Als wielki tydzień wird die Karwoche bezeichnet, wielkanoc ist die Bezeichnung für die Festtage Ostersonntag und -montag. Wie in vielen slawischen Sprachen (tschechisch Velikonoce oder Slowenisch Velika noč) wird die Karwoche als „große Woche“ und die Osterfeiertage als „große Nacht“ bezeichnet. Dies zeigt den Stellenwert dieses Fests. Das deutsche „Ostern“ soll laut Duden übrigens vom altgermanischen Austrō („Morgenröte“) stammen.

Z wie żurek

Der żurek, auch żur genannt, ist eine saure Mehlsuppe, die in Polen traditionell an Ostern gereicht wird. Typische Zutaten sind Mehl, Knoblauch, Kartoffeln, verschiedene Wurstwaren und Milch. Es gibt auch aber Variationen mit Fleisch, Speck, verschiedenem Gemüse und Pilzen. Zur Vollendung wird ein hartgekochtes Ei auf die Suppe gelegt. Wie auch der oben angesprochene bukszpan (Buchsbaum) ist der Name żur deutschen Ursprungs und soll von „sauer“ hergeleitet sein.

Żurek

Żurek (Quelle: Dr. Bernd Gross/Wikipedia)

 

Fallen Ihnen noch weitere wichtige Begriffe ein, die ihren Weg in das Oster-ABC finden sollten? Kommentieren Sie Ihre Ergänzungen und wir nehmen sie gerne auf. Frohe Ostern! Wesołych Świąt Wielkanocnych!

 

Titelbild von Emilia_Baczynska auf Pixabay

Thomas ist studierter Übersetzer und Dolmetscher für Deutsch, Spanisch und Polnisch (thomasbaumgart.eu). Seine Familie stammt aus Opole/Polen, er selbst ist in Wiesbaden geboren. Er ist dreisprachig – Deutsch, Schlesisch, Polnisch – aufgewachsen und hat bereits früh seine Affinität zu Sprachen und Kulturen entdeckt. Sein Studium absolvierte er in Germersheim und nun wohnt er in Neustadt an der Weinstraße. Außerdem kocht (und isst) er leidenschaftlich gerne. (E-Mail: thomas@polen.pl)

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