“Heimat in Gefahr – dies Land bleibt deutsch”. Abstimmung zur Staatszugehörigkeit nach dem Versailler Vertrag

Datum/Zeit
Date(s) - 11/03/2022
14:00 - 16:00

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Referenten: Professor Dr. Ryszard Kaczmarek (Katowice / Kattowitz), Professor Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller (München), Priv.-Doz. Dr. Heinz Starkulla jr. (München)

Moderation: Professor Dr. Andreas Otto Weber (München)

Veranstaltungsort: Online und Ludwig-Maximilians-Universität München, Oettingenstr. 67, 80538 München, Hörsaal B001

Veranstaltungsbeginn: 14 Uhr

In Kooperation mit: Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU MünchenGeneralkonsulat von Polen in München

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg bürdete der Versailler Vertrag dem Deutschen Reich mitsamt der Kriegsschuld hohe Lasten auf: Das Land wurde entwaffnet und in Teilen besetzt; immense Reparationen wurden gefordert; weite Gebiete im Westen und im Osten waren an Nachbarstaaten abzutreten, vornehmlich Elsass-Lothringen an Frankreich und der „Korridor“ an Polen. Für einige Landstriche sah der Vertrag Abstimmungen vor, so auch in Teilen West- und Ostpreußens sowie in Oberschlesien. Hier sollte die Bevölkerung darüber entscheiden, ob sie mit ihrer Heimat bei Deutschland verbleiben oder Polen zugeschlagen werden wollte.

Diese Abstimmungen fanden vor nunmehr rund 100 Jahren statt. Sie gingen in den genannten Gebieten für Deutschland aus, und das wurde von den Siegermächten – außer für Ost-Oberschlesien – so akzeptiert. Das freilich ist seit 1945 nur noch ein Abschnitt aus dem Geschichtsbuch, denn die Abstimmungsgebiete liegen weit ostwärts der Oder-Neiße-Linie. Aber das heißt nicht, dass es heute nicht mehr lohnt, auf diese Ereignisse mitsamt ihren Voraussetzungen und Folgen zurückzuschauen.

Denn in ihnen zeichnen sich wie in einem Brennglas politische Konflikte, hasserfüllte Feindbilder und blutige Kämpfe ab, die das Verhältnis von Polen und Deutschen für lange Zeit geprägt haben und die womöglich noch heute – wenn auch eher im Verborgenen – nachwirken. In einem Europa, das zusammengehören will, und noch mehr in einem Europa, dessen Zusammengehörigkeitsgefühl neuerdings auch stark auf die Probe gestellt wird, lässt sich daraus zweifellos einiges lernen, wie Feindschaft zwischen Völkern gesät wird, und was wir heute anders und besser machen können.

Drei Referate konturieren die Tagung: Horst Möller legt Zustandekommen und Folgen der Abstimmungen dar; Heinz Starkulla jr. skizziert die deutsche und polnische Propaganda für die Abstimmung; Ryszard Kaczmarek schildert die Kämpfe der deutschen Freikorps und die polnischen Aufstände der damaligen Zeit.

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller gilt als einer der renommiertesten Neuzeithistoriker Deutschlands. 1989–1992 war er Direktor des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Paris, 1992–2011 Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) München-Berlin. Er ist Verfasser von zahlreichen Publikationen zur europäischen Aufklärung, zur Geschichte der Weimarer Republik, zum Europa in der Zwischenkriegszeit, zum Nationalsozialismus und zur Nachkriegszeit.

Priv.-Doz. Dr. Heinz Starkulla jr. ist Vorsitzender der AG für ost- und westpreußische Landeskunde der Ludwigs-Maximilians-Universität München sowie Mitglied des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Kommunikationsgeschichte und Propagandaforschung.

Professor Dr. Ryszard Kaczmarek ist Inhaber des Lehrstuhls für Archivistik und Geschichte Schlesiens an der Schlesischen Universität Katowice / Kattowitz und Leiter des dortigen Instituts für Regionalforschungen der Schlesischen Bibliothek. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte Oberschlesiens im 19. und 20. Jahrhundert.