„Entartete Kunst“ in Breslau, Stettin und Königsberg 

Datum/Zeit
Date(s) - 05/07/2022
20:00 - 21:30

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Buchpräsentation

Breslau, Stettin und Königsberg gehörten 1937 auch zu den von der NS-Aktion „Entartete Kunst“ betroffenen Städten. Engagierte Museumsdirektoren hatten dort zuvor umfassende Sammlungen moderner Kunst aufgebaut. Mit der Beschlagnahme wurde die jahrelange Museumsarbeit zerstört.

Alle drei Städte gehörten schon vor seiner territorialen Ausdehnung ab 1938 zum Deutschen Reich. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sie sich durch die im Potsdamer Abkommen 1945 geregelte geographische Neuordnung in Gebieten der polnischen bzw. sowjetischen Verwaltungshoheit. Damit waren sie von der juristischen Klärung der Beschlagnahmeaktion und den musealen Regenerationsbestrebungen in Deutschland ausgeschlossen. Die besonderen Umstände geben Anlass, Licht auf die damaligen Geschehnisse zu werfen und nach den Auswirkungen bis heute zu fragen.

Referenten: Dr. Meike Hoffmann und Dr. Andreas Hüneke (beide Berlin)

Dr. Meike Hoffmann studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Volkskunde und Bibliothekswissenschaften in Kiel und Berlin und wurde mit einer Arbeit über die Künstlergruppe „Brücke“ an der Freien Universität Berlin promoviert. 2013–2016 war sie offizielles Mitglied der Internationalen Taskforce „Schwabinger Kunst“ und der Nachfolgeorganisation zur Erforschung der Provenienzen der Kunstwerke aus dem Gurlitt-Bestand. Seit 2006 ist Meike Hoffmann wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin. Derzeit ist sie Koordinatorin dieser Forschungsstelle. Von ihr liegen u.a. vor: (mit Dieter Scholz), Unbewältigt? Ästhetische Moderne und Nationalsozialismus. Kunst, Kunsthandel, Ausstellungspraxis (2021); (mit Aya Soika), Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus (2019); (mit Nikola Kuhn), Hitlers Kunsthändler. Hildebrand Gurlitt 1895-1956. Die Biographie (2016).

Dr. Andreas Hüneke (geb. 1944 in Wurzen (Sachsen)) ist Kunsthistoriker und Provenienzforscher und gilt als einer der bedeutendsten Forscher zur NS-Aktion der „Entarteten Kunst“. Seit der Auffindung eines vollständigen Inventars aller 1937 in deutschen Museen beschlagnahmten Werke der „Entarteten“ Kunst (ca. 19000 Werke) 1997 ist er in diesem Projekt tätig. Seit April 2003 ist er Mitarbeiter bei der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin. Andreas Hüneke ist außerdem Gründer und Vorsitzender des Potsdamer Kunstvereins und langjähriger ehrenamtlicher Vizepräsident des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA. Von Andreas Hüneke liegen u.a. vor: Franz Marc. Zitronenpferd und Feuerochse (1990); Farben der Mark. Landschaftsmalerei vom Biedermeier bis zur Neuen Sachlichkeit (1993); Franz Marc. Tierschicksale. Kunst als Heilsgeschichte (1994); Der Blaue Reiter. Eine Geschichte in Dokumenten (2011) sowie zahlreiche Veröffentlichungen zur NS-Aktion „Entartete Kunst“.

Veranstaltungsort: Online oder Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

Anmeldung erforderlich: 089-449993-0 telefonisch oder poststelle(at)hdo.bayern.de per E-Mail