Zum Piks in die Heimat: Impfung in Polen

Impfung Symbolbild. Image by Angelo Esslinger from Pixabay
Eine Impfung wird gesetzt. Angelo Esslinger from Pixabay

In manchen deusch-polnischen Ehen und Beziehungen soll es deswegen schon zu grundsätzlichen Diskussionen gekommen sein: Menschen in Deutschland stehen für eine Impfung lange an. Die Termine in den Impfzentren sind knapp, unter einem Monat Wartezeit ist kaum ein Impftermin zu bekommen. In Polen ist das anders.

Wer die polnische Staatsangehörigkeit hat, kann sich in Polen impfen lassen. Kein Wunder, dass viele in Deutschland lebende Polinnen und Polen neugierig in die Terminkalender der polnischen Impfzentren gucken. Und siehe da: Es gibt viele freie Termine.

Impftourismus nach Polen

Es ist also kein Wunder, dass viele dieses Angebot annehmen. Zum Teil gibt es (geprüft am 16.5.2021) Termine direkt am folgenden Tag auch in grenznahen Städten. Oder in anderen gut erreichbaren Orten. So etwa in Gorzow und Zielona Gora. In Verbindung mit den reduzierten Auflagen beim Grenzübertritt ist das eine interessante Option für in Deutschland lebende Polinnen und Polen: Quasi-Sofortimpfung in Polen versus zum Teil undefinierbare Wartezeit in Deutschland. Quarantäe und Einreisebestimmungen stehen dem nicht entgegen, es ist auch vollständig legal.

Einige Medien haben auch bereits über diesen etwas überraschenden Sachverhalt berichtet. Zum Beispiel die Deutsche Welle. Aber warum ist das eigentlich so?

Warum hat Polen freie Impftermine?

Wie kann es sein, dass ein einfacher Schritt ein paar Meter über die Grenze so viel bessere Impfoptionen bietet? Mit der Auswahl der Impfstoffe hat es wenig zu tun. Verimpft werden – in den Kalendern transparent ersichtlich – Impfstoffe unter anderem der Hersteller Moderna oder Astra Zeneca. Das Argument “schlechter Lieferbarkeit”, welches in Deutschland oft genannt wird, scheint daher zunächst widersprüchlich.

Im Januar hatten wir uns Gedanken über die Impfskepsis in Polen gemacht. Wir wurden deswegen zum Teil kritisiert. Allerdings scheinen die Zahlen weiterhin darauf hinzudeuten, dass die Skepsis gegenüber den Impfstoffen nach wie vor groß ist.

Es sieht so aus, als sei genau dies die Ursache: Weniger Menschen in Polen wollen sich impfen lassen, im Vergleich zu Deutschland. So kommt es nicht zu einer Überlastung der Impfzentren. Der in Deutschland zu beobachtende “Run” an die Spritze bleibt aus. Eine Befragung der Warschauer Universität aus dem März 2021 bestätigt die Zahlen. Rund 50-60% der Bevölkerung will sich impfen lassen. Mehr als 40% der Befragten in Polen glauben, dass die von den Behörden zur Verfügung gestellten Statistiken über Infektionen und Todesfälle aufgrund von COVID-19 absichtlich gefälscht sind.

Im Vergleich weltweit hat Deutschland eine der höchsten Impfbereitschafts-Quoten. Das scheint dazu zu führen, dass der Reiseverkehr für die Impfung von Deutschland nach Polen derzeit stark ansteigt. Und dazu, dass an manchem Wohnzimmertisch deutsch-polnischer Paare rege Diskussionen über die moralische und gesellschaftliche Dimension dieser Situation entstehen.

Und übrigens, ein kleiner praktischer Hack dazu: Wenn bei dieser Diskussion zuhause Fragen der praktischen Umsetzung auftreten, haben wir noch einen Tipp. Man benötigt eine polnische Telefonnummer. Die kann man sich über Dienste wie “cloudsim” ohne neue SIM-Telefonkarte fürs Handy schnell und sofort organisieren.

 

 

 

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Jens Hansel

Jens kümmert sich bei Polen.pl heute vor allem um die technische Basis der Internetseite. Gemeinsam mit Bartek rief er Polen.pl ins Leben und war viele Jahre Polen.pl e.V.-Vorstandsvorsitzender. Seine Themen sind Digitalisierung, Gesundheitswesen und Verständigung. Seit der Teilnahme an einem Deutsch-Polnischen Begegnungsprojekt im Jahre 1995 ist er begeistert von Polen. Sein Lieblings-Urlaubsort ist Kolobrzeg (Kolberg/Polen), wohin er seit vielen Jahren auch familiäre Bindungen pflegt. Marathonlaufen, Winter- und Wassersport sind sein Ausgleich zum Alltag. (E-Mail: jens@polen.pl)

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