Im Fokus: 35-jähriges Jubiläum des Deutsch-Polnischen Nachbarschafts- vertrages

IHK-Neubrandenburg Geschäftsführer Krister Hennige eröffnete den Wirtschaftskreis zum 35-jährigen Jubiläum des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages. Eine Dolmetscherin stand ihm zur Seite. Foto: Andreas Schwarze (ASC) IHK-Neubrandenburg Geschäftsführer Krister Hennige eröffnete den Wirtschaftskreis zum 35-jährigen Jubiläum des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrages. Eine Dolmetscherin stand ihm zur Seite. Foto: Andreas Schwarze (ASC)

Halbjahrestreffen des Wirtschaftskreis Metropolregion Szczecin (Stettin)

Szczecin. (ASC/Polen.pl) Wie doch die Zeit vergeht! Zuletzt 2024 hieß es noch “23 Jahre deutsch-polnischer Wirtschaftskreis und 20 Jahre Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union” (wir berichteten).

Und nun, zwei Jahre später, mit dem 35- jährigen Jubiläum des Deutsch-Polnischen Staatsvertrages ein mindestens genau so wichtiges Ereignis fürs Zusammenwachsen der Bundesrepublik Deutschland und Polen. Deutschlands Bundeskanzler Helmut Kohl und Polens Premierminister Jan Krzysztof Bielecki unterzeichneten ihn am 17. Juni 1991 in Bonn. Für die Sicherheit, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit, doch auch im sozialen, bildungspolitischen und kulturellen Bereich ist dieser seither eine Fibel (ein Leitfaden) für beide EU-Staaten.

Dieser legte maßgeblich auch einen historischen Grundstein für eine intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Metropolregion Szczecin, insbesondere mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch – wenn noch immer etwas stiefmütterlich – mit dem Brandenburger Landkreis Uckermark und seiner Kreisstadt Prenzlau, dem Wirtschafts- und Raffineristandort Schwedt/Oder.

Die IHK Neubrandenburg, welche die regelmäßigen Wirtschaftskreise organisiert, hat auch die Federführung des “Haus der Wirtschaft” in der Hafenmetropole Szczecin inne. Die Einrichtung gilt als ganzer Stolz und Vorzeigeprojekt. Vollkommen zu Recht.

D/PL auch im Bundestag jüngst ein Thema – und die AfD “Pro Polen”

Im Deutschen Bundestag fand unterdessen am 10. Juni 2026, eine Debatte zum Thema „Feste Freundschaft in Frieden und Freiheit – 35 Jahre Neustart in den deutsch-polnischen Beziehungen“ statt.

Knut Abraham (CDU), Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit, betonte in seiner Rede zum Auftakt der Debatte die enge Partnerschaft zwischen Deutschland und Polen „gerade in einer Zeit der Herausforderung“.

Gemeinsam mit Frankreich bilde sie im Weimarer Dreieck einen „wichtigen Pfeiler für Frieden, Freiheit, Versöhnung und Verständigung der Völker in Europa“. Abraham erinnerte aber auch an die leidvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts: In Anbetracht der Vergangenheit sei man dankbar, dass Polen mit der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags Deutschland die Hand gereicht habe.

Als einen Meilenstein in der „schwierigen und ambivalenten“ deutsch-polnischen Geschichte nannte Dr. Alexander Wolf (AfD) den vor 35 Jahren geschlossenen deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag. Die AfD-Fraktion begrüße es ausdrücklich, dass ein Verteidigungsabkommen zwischen Polen und Deutschland geschlossen werde. Denn Polen verfüge über die wohl größte und schlagkräftigste Armee in der EU mit „hochmoderner Ausstattung“, lobte Wolf. Auch wirtschaftlich habe das Land „etwas aus sich gemacht“ – anders als das inzwischen „heruntergewirtschaftete Deutschland“.

Kritische Töne von LINKS – Desinteresse in Deutschland

Janina Böttger (Die Linke) meint, das dass 35-jährige Jubiläum des Nachbarschaftsvertrag ein guter Anlass sei, die „Überheblichkeit des Westens gegenüber dem Osten“ zu beenden. In Deutschland werde die Wende 1989 allzu oft als deutsche Geschichte erzählt, dabei sei Polen dabei ein Vorreiter gewesen: Mit der Solidarność sei dort 1980 die erste unabhängigen Gewerkschaft im sowjetischen Machtbereich entstanden, die 1989 am „Runden Tisch“ teilweise freie Wahlen erzwang. Sie kritisiert in dem Zusammenhang, dass der Blick von Deutschen nach Polen lang von Desinteresse geprägt worden sei. Doch die Gewichten verschöben sich: „Polen ist wirtschaftlich stark und geopolitisch wichtig.“

Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern und das östliche Mecklenburg,  Heiko Miraß und der Präsident der IHK Neubrandenburg Krister Hennige mit Impulsvorträgen

Doch zurück zum Wirtschaftskreis, welcher am 16. Juni 2026 im Szczeciner Parkhotel im Herzen der Stadt stattfand. Dieser war politisch und wirtschaftlich hochkarätig besetzt.

Mit Mecklenburg-Vorpommerns Staatssekretär Heiko Miraß, IHK-Neubrandenburg Geschäftsführer Krister Hennige, Krysztof Soska als Vertreter des Szczeciner Stadtpräsidenten und Hanna Mojsiu, sie ist die EU-IHK-Außenhandelskammer Repräsentatin sowie Irena Katarzyna Strozynska als BRD-Honorarkonsulin.

Hochrangige Vertreter aus Brandenburg, beispielsweise dem Uckermärkischen Landratsamt oder dem an Szczecin angrenzenden Amtsbereich Gartz (Oder) vermisste man. Der Gartzer Bürgermeister Luca Piwodda (PDF) erklärte sogar gegenüber dieser Redaktion: “Zu dieser Veranstaltung habe ich keine Einladung.” Er konzentriere sich derzeit auf eine Jungfernfahrt des Projektes “Touristenschiff Stettin – Mescherin – Gartz” zu den Sommermonaten. Nunja.

Es sind verkannte Chancen, was klar sein sollte. Normalerweise.

Immerhin waren mit Martin Lebrenz (BVB SVV Schwedt/Oder und ehemaliger Geschäftsführer es Investor Center Uckermark) und Aleksander Buwelski von der IHK Ostbrandenburg (Standort Eberswalde) zwei “Brandenburger” zugegen.

In ihren Redebeiträgen, welche auch jeweils in die andere Sprache übersetzt wurden, gab es übereinstimmend Lob für die seit 26 Jahren bestehenden Aktivitäten des “Haus der Wirtschaft” in der Hafenmetropole Szczecin. Einen Rück- und Ausblick auf Netzwerkveranstaltungen des durch Dagmar Enste von der IHK Neubrandenburg als Koordinatorin verantwortlichen Wirtschaftskreises und auch Ausführugen im Hinblick auf die ständig wachsende Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen. Doch auch die noch immer anhaltenden Grenzkontrollen wurden von allen scharf kritisiert. Und im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in MV wünscht man sich, welche Kraft auch immer gewinnen möge, weitere Vertiefungen von Bemühungen der grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Aber an dieser Stelle soll nicht zu viel vorweg genommen werden, denn…

Videomitschnitt der Festreden

Polen.pl hat die Veranstaltung inklusive aller Redebeiträge aufgezeichnet. So kann sich objektiv durch politisch Interessierte, Bürgerinnen und Bürger, Poleninteressierte und auch von Kritikern ein Meinungsbild gemacht werden.



Und die “Bilder des Tages” in unserer Fotostrecke:

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