Datum/Zeit
Date(s) - 8. Oktober 2025
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Veranstaltungsort
Polnisches Institut Berlin
Kategorien
die Brombeeren so schwarz, daß sie die Nacht beneidet hat“ / „jeżyny tak czarne, że noc była zazdrosna o nie“
Er wurde ein flanierender Weltbürger genannt, ein weltlicher Mystiker (obwohl er auf dem Gebiet der Mystik ein bekennender Anfänger blieb). Getrieben wurde Zagajewski von einer, wie er es selbst nannte, „vertikalen Sehnsucht“. Zwischen 1972 und 2019 legte er 14 Gedichtbände vor, dazu fast ebenso viele Bücher mit Essays. Seine Heimat liebte er, blieb aber ein Skeptiker. Das Polen in den Gedichten der Deutschen und Russen erkannte er nicht wieder, er verglich es mit einem Einhorn, das sich von der Wolle der Gobelins nährt. In den eigenen Gedichten erzählt er von der Täuschung, die „im milden Geschmack der langen Sommerabende“ liegt, vom dunklen Esperanto der Bäche, von Jesus im „Sonntagsanzug aus Dornen“ und von der Nichtunterscheidbarkeit von Lebenden und Toten. Manchmal weisen seine Texte einen Zug ins Resignative auf. Einmal heißt es: „Wirklich leben können wir nur in der Niederlage.“ Am Ende desselben Gedichts: „Daß uns nur ja nicht der Sieg überrascht.“ In zahlreichen Gedichten pflegt Zagajewski Umgang mit den großen Künstlern der Vergangenheit: Die Leser:innen begegnen Franz Schubert auf einer Pressekonferenz, werden Zeug:innen eines weinenden Schopenhauers, dessen Einsamkeit wie niederländisches Leinen zittert. Zagajewski schrieb eine „Ode der Vielheit“ und eine „Elektrische Elegie“ über einen geerbten „Volksempfänger“, über dessen Lautsprechern sich der Stoff zu Chopins Walzer hebt. Wie Rilke liebte er die einfachen Wörter, die aus dem Dunkel steigen und ihre Namen verraten: Tisch, Stuhl, Salzstreuer. In dem Gedicht „Selbstbildnis“ sagt er über sich, er sei ein Kind der Luft, der Minze und des Cellos. In seinen letzten Gedichten schrieb Zagajewski über die Unschuld eines Museums für Imkerei und über windstille Tage, an denen die Götter dösen.
Marzanna Kielar und der deutsche Dichter Michael Krüger sprechen über Adam Zagajewskis Bedeutung damals und heute und lesen seine Gedichte.
Eine gemeinsame Veranstaltung des Polnischen Instituts Berlin mit dem Haus für Poesie.
Moderation Matthias Weichelt
